Vettern von Wahlstatt

100-jähriges Bestehen

Im Jahre 2003 hat der Familienverband der Grafen und Freiherren von Strachwitz sein 100-jähriges Bestehen gefeiert.

Wahlstatt

"Adel verpflichtet" - Ein Vertreter aus der 25. Generation nach der Schlacht von Wahlstatt aus dem Geschlecht derer von Zedlitz, von Strachwitz, von Rothkirch und von Prittwitz werden zu ihrem Verhältnis zu Schlesien und Deutschland befragt.

 

Am 9. April 1241 unterlag ein polnisch-deutsches Ritterheer unter dem Kommando des schlesischen Herzogs Heinrich II., des Sohnes der hl. Hedwig, in der Schlacht auf der Wahlstatt bei Liegnitz der Übermacht eines mongolischen Reiterheeres. Da die Mongolen sich trotz ihres Sieges anschließend zu ihrem Hauptheer nach Ungarn zurückzogen, galt die Schlacht als erfolgreiche Verteidigung des christlichen Abendlandes.


Der Überlieferung nach verloren in der Schlacht von Wahlstatt 34 Rothkirchs das Leben.
An der Wiege des letzten nach der Schlacht geborenen männlichen Rothkirchs sollen ihm am Jahrestag, also im Jahr 1242, an seiner Wiege Angehörige der Familien Nostiz, Prittwitz, Zedlitz, Seydlitz und Strachwitz ewige Vettern (Paten-)schaft geschworen haben. Schriftliche Zeugnisse darüber existieren nicht, jedoch war die Überlieferung der "Vettern von Wahlstatt" in Schlesien allgemein bekannt - auch als literarisches Motiv.


Auf Initiative von Karl-Christoph Graf Rothkirch-Trach, Wolfram Freiherr v. Strachwitz und Sigismund Freiherr v. Zedlitz fand - nach mehreren vorbereitenden Treffen - zum 750jährigen Jubiläum der Schlacht im Mai 1991 eine Gedenkveranstaltung in Fulda mit großer Beteiligung der Vetternfamilien statt. Vertreter der Vettern nahmen - auch in Folgejahren - an den Gedenkfeierlichkeiten in Wahlstatt teil. In Deutschland und Polen erschien eine gemeinsame Sonderbriefmarke mit einem Motiv der Schlacht. Eine Festschrift , von Ulrich Schmilewski herausgegeben, erschien im Bergstadtverlag Wilhelm, Gottlieb Korn, Würzburg.


Im September 2006 trafen sich 220 Angehörige der Vetternfamilien in Liegnitz, unter anderem zu einem offiziellen Empfang durch die Stadt Liegnitz und zu einem ökumenischen Gottesdienst mit einer Predigt in deutscher Sprache, gehalten vom Liegnitzer Bischof Cichy.
So mag die Vetternschaft von Wahlstatt ein Beitrag zur Zukunftsgestaltung des vereinten Europas sein.

Das Fenster der Liebfrauenkirche von 1905

Herzog Heinrich verläßt die Kirche noch während der Messe am Morgen des 09.04.1241 um den Mongolen entgegen zu ziehen.

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Entnommen aus: http://www.luteranie.pl/legnica/fenster.htm 

Wenn man die Kirche durch das Hauptportal auf der Westseite betritt, fallen auf den ersten Blick die 14 großen Kirchenfenster auf, die in den Jahren 1905/06 gestiftet und durch die Initiative von Pastor Wolfgang Meißler in den Jahren 1992/93 wiederhergestellt wurden. Sie haben zum Inhalt Personen und Ereignisse aus Religions- und Kirchengeschichte, aus der Geschichte der Reformation, der Geschichte Schlesiens und der Stadt Liegnitz.

Entnommen aus: http://www.luteranie.pl/legnica/geschite.htm 

In den Kirchen des Fürstentüms Liegnitz-Brieg vollzog sich der Übergang zum Protestantismus ohne besondere Schwierigkeiten. Es war das Verdienst des Piastenherzogs Friedrich II.. von Liegnitz, Brieg und Wohlau (1499-1547), der sich 1539 offiziel zum Luthertum bekannt hatte. Besonders erfolgreich bei der Verbreitung der neuen Ideen war Valentin Trozendorf (1490-1556), der berühmte Rektor des Gymnasiums in Goldberg (Złotoryja), in das die Jugend aus beinahe ganz Europa strömte. Dank der fürstlichen Schirmherrschaft konnte sich die Gegenreformation im Fürstentum nicht durchsetzen. Danach wurden den Protestanten nur einige Kirchen weggenommen.

Die Kirche der Reformation besteht in Liegnitz ununterbrochen seit 1522. Heute nutzen die Evangelischen das größte Liegnitzer Gotteshaus - die Liebfrauenkirche, in der das Abendmahl zum ersten Mal in beiderlei Gestalt empfangen wurde. Nach dem II. Weltkrieg wurde der erste polnische evangelische Gottesdienst am 27. Oktober 1946 von Pastor Karol Jadwiszczok (1905-1988) abgehalten. Seit 1991 wurde die Pfarrgemeinde von dem Seelsorger der Pfarrei in Jauer betreut. In den Jahren 1997-2005 in Liegnitz war Pastor Cezary Królewicz. Der neue Seelsorger dient in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Liegnitz seit dem ersten Februar 2005.

Kontakt ist möglich unter Adresse:

Parafia Ewangelicko-Augsburska w Legnicy
59-220 Legnica 2
skrytka pocztowa 196

tel./fax +48 76 854 34 40
Internet: http://www.luteranie.pl/legnica
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1992 wurde in einem Festgottesdienst der 800. Jahrestag der Liebfrauenkirche gefeiert. Nach ihrer Instandsetzung (1977) wurde die herrliche Orgel des Gotteshauses die grundlage für die Veranstaltung der Tage der Kammer- und Orgelmusik, und seit 1985 des  Orgelkonversatoriums, die bis 1992 veranstaltet wurden.

Die Stadt-Pfarrkirche zu Unseren Lieben Frauen auch Niederkirche genannt, ist ein neugotischer Ziegelbau, dessen Korpus im wesentlichen aus dem 14 Jahrhundert stammt. Die Kirche wurde mehrmals wieder aufgebaut und rekonstruiert. Der wichtigste Wiederaufbau erfolgte nach den Entwürfen von Günter, einem Schüler K.F. Schinkels, in den Jahren 1824-1828. Die Pläne für die 1905-08 durchgeführten Wiederherstellungsarbeiten hatte der Architekt Hubert Kratz ersteht. Im Jahre 1977 drang die Hochwasserwelle der Katzbach (Kaczawa) in die Kirche ein. Seit mehreren Jahren werden in der Kirche umfassende Reparaturarbeiten ausgeführt.

Das Kircheninnerehat eine aus der Zeit der letzten Rekonstruktion stammende neugotische Ausstattung: Altar, Kanzel, Taufbecken, wandpolychromien. Die Fenster schmücken wertvolle, in letzter Zeit restaurierte, Mosaikfenster - das Werk hochrangiger deutscher Künstler. Zu Beginn des 20. Jh. Stellten sie Szenen aus der Geschichte Schlesiens, der Kirche und der Reformation dar. Aus der Zeit des Barocks stammen die Leuchter im Mittelschiff sowie der Orgelprospekt (1736), hinter dem ein Instrument der Stuttgarter Firma K.G. Weigel von 1914 steht. In der Renaissance entstanden zwei Epitaphien, die 1890 das Interesse des hier weilenden polnischen Malers und Dramaturgen S. Wyspiański erregten.

Der Liegnitzer Pfarrei gehören die Filialgemeinden in Glogau (Głogów) und Bunzlau (Bolesławiec) an. In Glogau wurde 1652 die erste der drei Friedenskirchen errichtet. Nachdem der Holzbau 1758 niederbrannte und einige Jahre später durch das "Schifflein Christi" (unter C.G. Langhans errichtet) innerhalb des Stadtgebiets ersetzt wurde, nutzen die Evangelischen heute die Gastlichkeit der römisch-katholischen Pfarrgemeinde. Die Bunzlauer Evangelischen besitzen Ihren eigenen Gemeindesaal.

In der Pfarrgemeinde Liegnitz wurde 1585 in Raudten (Rudna) bei Lüben (Lubin) Johann Hermann geboren - neben Martin Luther und Paul Gerhardt der herausgendste evangelische Schöpfer von Kirchenliedern, die sich noch immer großer Beliebtheit erfreuen.. Einige davon hat J.S. Bach in seine Passionen nach dem St. Matthäus- und St. Lukas Evangelium eingebracht. 

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Nostitz, Prittwitz, Rothkirch, Seydlitz, Strachwitz, Zedlitz

Die Schlacht von Wahlstatt am 9. April 1241 gegen die Tataren hat eine für Europa herausragende Bedeutung. Der schlesische Herzog Heinrich der II., der Fromme, Sohn der Hl. Hedwig, stellte sich mit einem Ritterheer einem unbekannten und grausamen Feind entgegen. Im heldenhaften Kampf gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner erlitt der Herzog eine vernichtende Niederlage und wurde selbst auf dem Schlachtfeld getötet. Die Tataren traten jedoch nach diesem Kampf den Rückzug an. Heinrich der II. hatte also einen großen Sieg errungen und Europa vor den Tataren gerettet – eine Tat welthistorischer Bedeutung. Der Überlieferung nach sollen am Jahrestage der Schlacht von Wahlstatt die von ihren Wunden geheilten Streiter aus den Geschlechtern Nostiz, Prittwitz, Seydlitz, Strachwitz und Zedlitz, die alle in der Schlacht einen hohen Blutzoll geleistet hatten, zusammengekommen sein, um für den letzten männlichen Nachkommen der Familie Rothkirch die Vormundschaft zu übernehmen. Von der Familie Rothkirch waren in Wahlstatt alle waffenfähigen Männer gefallen. Nur ein erst nach der Schlacht geborener Sprössling trug noch den Namen. Für dieses vaterlose, „nicht selbstmündige Kind“ übernahm eine „Schwertmag“ die Gesamtvormundschaft. Der bis dahin „schutz- und muntlose“ junge Rothkirch erhielt damit den damals notwendigen Rechtsschutz durch die oben genannten mächtigen und landeingesessenen Familien und deren Sippen. Es wurde vereinbart, daß diese Vetternschaft auch für die jeweiligen Nachkommen gilt. Die Familie Rothkirch gehört heute natürlich auch dazu.
Die freundschaftliche Verbindung dieser Familien dauert nun bereits länger als 750 Jahre in 25 Generationen an. Im Jahre 1991, anläßlich des 750. Jahrestages fand in Fulda ein großes Zusammentreffen dieser sechs Familien statt, um die in der Vereinigung liegende Tradition weiterzuführen.Ein ähnliches Treffen wird 2006 in Wahlstatt (Polen) durchgeführt.
Die Bedeutung dieser Verbindung zwischen den Familien, die auch eine enge Verbindung zum schlesischen Adel, ebenso wie zum Adel von Ungarn, Polen, Russland und der Mongolei einschließt, liegt in der gemeinsamen Tradition und der daraus erwachsenden Kraft für das Zusammenwachsen Europas.