Moritz

Verbandsgründung

Der Familienverband der Grafen und Freiherren von Strachwitz wurde in Breslau am 11.2.1903 gegründet.

Moritz Karl Wilhelm Anton Graf von Strachwitz

Moritz Karl Wilhelm Graf Strachwitz, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Moritz Karl Wilhelm Graf von Strachwitz (* 13. März 1822 in Peterwitz bei Frankenstein, Schlesien; † 11. Dezember 1847 in Wien) war ein bekannter Balladendichter, der im Tunnel über der Spree ein Vorbild für Theodor Fontanes Balladendichtungen war.

 

 

Leben

Er entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, studierte Jura in Breslau und Berlin. Seit 1845 war er Mitglied des Corps Silesia Breslau. Nach dem Studium leistete er sein Referendariat beim Kreisgericht Grottkau ab. Danach ging er auf Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark. Daraufhin kehrte er zunächst auf sein Gut Peterwitz zurück, siedelte dann aber auf sein mährisches Gut Schebetau über. Auf einer Italienreise erkrankte er in Venedig und starb kurz vor seiner Rückkehr in Wien.
Viele seiner Gedichte wurden vertont, unter anderem von Robert Schumann, Carl Loewe und Johannes Brahms. Besonders bekannt waren unter anderem „Das Lied vom falschen Grafen“ und „Hie Welf!“.
Von seinem Zeitgenossen Ludwig Fränkel wurde er in der „Allgemeinen deutschen Biographie“ wie folgt charakterisiert: „In dem aufreibenden Leben der Großstädte hatte sich seiner eine gewisse Unruhe bemächtigt, […] nie wieder kam er zur rechten Ruhe, zur Freude am Leben, zur Befriedigung mit seinem Schaffen und sich selbst, zur Erkenntnis seines Berufes“ und „Er war eine kühne, in den demoralisierenden Wandelgängen der großen Welt naiv gebliebene Natur.“
Sein bekanntestes Gedicht ist „Das Herz von Douglas“, aus dem noch gelegentlich zitiert wird:

Sie ritten vierzig Meilen fast
und sprachen Worte nicht vier

und:

kurz ist die schottische Geduld
und lang ein schottisch Schwert!

 

Werke

  • Lieder eines Erwachenden, 1842
  • Neue Gedichte, 1848 (Gedichte aus dem Nachlass) (GBS)
  • Gedichte, Breslau 1850 (Gesamtausgabe)

 

Literatur

  • Ludwig Julius Fränkel: Strachwitz, Moritz Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 480–483.
  • Gertrud Fischer: Der Verfall des Gehalts der heldischen Ballade von Strachwitz und Fontane bis zu den Epigonen (1840–1880). München 1956 (München, Univ., Diss. phil.).
  • Hanns Gottschalk: Strachwitz und die Entwicklung der heldischen Ballade. Triltsch, Würzburg 1940 (Zugleich: Breslau, Univ., Diss. phil., 1940).
  • Alwin Kurt Theodor Tielo (d. i.: Kurt Mickoleit): Die Dichtung des Grafen Moritz von Strachwitz. Duncker, Berlin 1902 (Forschungen zur neueren Litteraturgeschichte 20), (Auch reprographischer Druck: Gerstenberg, Hildesheim 1977, ISBN 3-8067-0610-7).
 
 
 

Streitlust

        Mein Herz erwacht,
        Es schlägt mit Macht,
Mein Arm ist fest und sehnig;
    Die Liebesfehde, die Harfenschlacht,
Sie sind mir viel zu wenig;
        Ich habe gezecht
        Im Bechergefecht,
Mag nicht mehr schwärmen und zechen;
    Und wenn ihr Flaschenhälse zerbrecht,
Möcht' ich andere Hälse brechen.

        Aus des Mädchens Schoß,
        Da ringt auch los,
Und zerdrücket die letzte Träne;
    Der Schlachtenjubel, das Schlachtengetos,
Das ist es, was ich ersehne;
        Von dem Rosenpfühl
        In das Speergewühl
Ein Jeder gepanzert springe;
    Zerreißt das tönende Saitenspiel
Und ergreift die pfeifende Klinge!

        Ans Schwert die Hand!
        An der steinernen Wand
Zerschmettert die klirrenden Humpen!
    Zum Kampf die Paniere ausspannt!
Zum Kampf mit Schelmen und Lumpen!
        An das Streitroß fest
        Den Schenkel gepreßt,
In die Flanke gehauen die Sporen!
    Und wer den Zügel nicht schießen läßt,
Der habe das Rennen verloren!

Mich freut's

Was fliehst du uns mit trotzigen Mienen,
    Wir sind so klug, wir sind so reich!
Es rollt die Welt auf glatten Schienen,
    Was rennst du quer durch Sumpf und Teich? –
O laßt die Fragen, klug verbindlich,
    Laßt mir mein selbstgewähltes Kreuz,
Es bleibt euch ewig unergründlich,
    Die einz'ge Antwort ist: Mich freut's!

Mich freut's, in dieser Zeit des Alters
    Zu sein mitunter ganz ein Kind
Und zickzack wie der Flug des Falters
    Zu taumeln hin im Blütenwind.
Mich freut's, behaglich zu verstummen,
    Indes geschäftig summt die Stadt.
Mich freut's, in dieser Zeit der Summen
    Zu handeln um ein Rosenblatt.

Mich freut's, gestreckt im Meer zu liegen,
    Wenn dunkelgrünlich ruht sein Schacht,
Und lang' mit flutendem Vergnügen
    Zu schaun ins Märchenaug' der Nacht.
Mich freut im Sturme, markerschütternd,
    Der Wehruf der gepeitschten See,
Mich freut, aus stillen Fluten zitternd,
    Das Wiegenlied der Meeresfee.

Mich freut's, mit herzigen Kumpanen
    In goldbesäumter Dämmerung
Auf grünbehangnen Burgaltanen
    Zu tuen einen edlen Trunk.
Mich freut's, die Brust entblößt dem Taue,
    Gebettet unter Gras und Ried,
Zu schmettern weit ins Himmelblaue
    Ein rechtes deutsches Heldenlied.

Mich freut's, im Forst am Erlenteiche
    Zu lauschen, wenn der Hirsch sich kühlt,
Wenn klatschend an die Binsensträuche
    Das grünliche Gewoge spült.
Mich freut's, wenn eure Glocken hallen
    Und neblig wallt der Weihrauchduft,
In lichter Au aufs Knie zu fallen,
    Stillbetend in die Sonntagsluft. –

Es rollt die Welt auf glatten Schienen,
    Mich freut's, zu gehn durchs hohe Gras,
Und bin ich euch als Narr erschienen,
    So denkt: es ist einmal sein Spaß!
Ihr seid für heut die Herrn der Erden,
    Ich kann euch nicht beneiden, seid's!
Ich aber möcht ein Dichter werden,
    Und meine Antwort ist: Mich freut's!

Herrn Winfreds Meerfahrt

Herr Winfred fuhr auf schwarzem Schiff,
Er wollte fahren nach Islands Riff,
Er wollte holen die Braut zur See,
Das bracht' ihm gräßliches Todesweh;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Herr Winfred hoch am Maste stand,
Er trug ein funkelndes Stahlgewand,
Das blitzte hinunter und strahlt' und glimmt';
Die Nixe auf brausender Welle schwimmt;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

»Herr Winfred, komm in mein Schlößlein blau!
Ich will dich letzten mit Perlentau;
Du hast einen Helm von Golde klar,
Viel goldner flutet dein Lockenhaar.«
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Herr Winfred sprach: »Du falsches Bild!
Ich mag nicht tauchen ins Meergefild.
Du hast einen Leib halb Maid, halb Fisch,
Und wohnst im kochenden Strudelgezisch.«
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Da wurde die Fei zur Wog' in Hat
Und leckte hinauf am schwarzen Mast,
Wollt' lecken hinab den Ritter gut;
Der stand und lachte im trotzigen Mut;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Da wurde die Fei ein grimmer Nord,
Schlug brüllend an Bug und Steuerbord,
Sie schlug den Mast in Stücke drei;
Herr Winfred stand und lachte dabei;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Da wurde zum Fische die schöne Fei
Und schwamm an dem Schiffe und war ein Hai,
Sie sah wohl hinauf mit dem Aug' voll Wut,
Herr Winfred gerann sein Herzensblut;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Und er schwang den Speer um das Haupt im Flug,
Und er schoß ihn im Zorn durch des Tieres Bug,
Und als es zuckt' in des Todes Qual,
Da sah es hinauf zum letztenmal;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Und als ihn der Blick der Feie fund,
Da ward Herr Winfred ein Stein zur Stund',
Und als sie erfaßte des Auges Bann,
Da ward zu Steine so Maus als Mann;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Da ward zu Steine so Mast als Kiel
Und stand als Felsen im Wellenspiel.
Noch steht Herr Winfred und schaut vom Bord,
Und ewig funkelt das Auge dort;
Hoch schlagen die Wogen am Borde.

Ein Faustschlag

König Helge war ein alter Held,
Der hatte sein Schwert zur Ruhe gestellt.

Den Panzer er in die Halle hing,
Der Spinne Geweb den Helm umfing.

Sein schwarzes Schiff die Bucht umschloß,
Auf der Weide trabte sein weißes Roß.

Er waltete gut und herrschte gerecht,
Wog strenges Maß für Fürst und Knecht.

Das frommte Landen und Leuten baß,
Auf Norwegs Felsen wuchs Korn und Gras.

Den Pflug hinschleppte des Stieres Mut,
Der Kaufmann pflügte die blaue Flut.

Aufstiegen Städte aus wüstem Moor,
Und Freya herrschte für Aukathor.

Der Bauer, der lebte frei und froh,
Das wollten die trotzigen Jarls nicht so.

Sie ritten zu Hauf, wohl dreißig und mehr,
In des Königs Halle: da traten sie her;

Da traten sie her in Erz und Stahl,
Vom Sporenklange dröhnte der Saal.

Jarl Irold vor den König schritt,
Hoch war sein Helmbusch und keck sein Tritt.

Sein Schwert an den Boden er rasselnd stieß,
Sein Wort er zornig erschallen ließ:

»Wir wollen nicht sitzen und Spindeln drehn,
Mit dem Normannenschwert nicht Hafer mähn.

Wir wollen furchen, wie Harald tat,
Mit dem schwarzen Segler den feuchten Pfad.

Wir wollen tragen, wie Rollo trug,
Auf Südlands Acker den Nordlandspflug.

Wir sind des Königs müd und satt,
Der immer das Schwert in der Scheide hat.

Wir sind des Königs satt und müd,
Der Unkraut jätet und Rüben zieht.

Und wer will zähmen des Normanns Blut,
Der halte das Schwert und halt' es gut!«

Jarl Irold sprach's; der König schwieg,
Auf der Stirn ihm grimmig die Ader stieg;

Aus den Augen fuhr's ihm wie Blitz und Flamm',
Die Brust ward voll, die Faust ward stramm.

Aus dem Sessel sprang er, der krachend brach;
Wie dumpfer Donner er also sprach:

»Mein Aug' ist trüb, mein Haupt ist kahl,
Am Nagel rostet mein guter Stahl.

Und tragt nach dem Schwert ihr so heißen Trieb,
So nehmt für heut mit der Faust vorlieb!«

Der König sprach es und macht' es kurz:
Er hieb den Jarl auf den Helmessturz.

Er hieb einen Streich, einen Heldenstreich,
Daß Helm und Schädel zerbarst sogleich.

Einkrachte vom Hiebe Schlaf und Stirn,
Aufspritzte vom Hiebe Blut und Hirn.

Auf den hallenden Boden der Jarl sank hin;
Da brach auch den andern der trotzige Sinn.

Sie warfen aufs Knie sich Mann an Mann,
Wollt' keiner proben die Faust fortan.

Letzte Liebe

Entweicht von meiner Seele Spiegel,
    Ihr Nebel, die ihr ihn umzogt,
Es ist der Liebe Schwanenflügel,
    Der über meinem Haupte wogt.
Und sieh! Du kommst dahergefahren,
    Frau Minne, durch des Äthers See;
Doch anders bist du als vor Jahren
    Und strahlender, allmächt'ge Fee!

Du träuftest sonst mir als Armide
    Den Zauberschlaf ins beste Mark.
Nun kommt dein Kuß wie Gottesfriede,
    Und macht mich freudig, fromm und stark.
Und kamst du sonst geschäumt, geschossen,
    Ein Strom, der vom Gebirge rollt,
So liegst du jetzo mild ergossen,
    Ein See im keuschen Sonnengold.

Du bist kein Feuer farbenflüchtig,
    Das prächt'ge Funkengarben sät,
Nein, eine Flamme alldurchsichtig
    Und loderst still in Majestät.
Du bist kein ungestümes Regen,
    Das heiße Herzen blutig gräbt,
Du bist der rechte Gottessegen,
    Der über meinem Liede schwebt.

Es war mein Geist ein sehnsuchtskranker
    Nach reiner Liebe, frischem Blut;
Des Sanges Schiff lag matt vor Anker,
    Es schliefen Segel, Luft und Flut.
Da kommt dein Sturm und schwellt die Linnen,
    Der Purpurwimpel fliegt zur Höh',
Der Segler jagt mit Klang von hinnen
    Und vor dem Kiele jauchzt die See.

Und immer tiefer werd' ich's inne,
    Was vor dir war, ist Farbendunst,
Du bist die wahre, höchste Minne,
    Du bist des Himmels beste Gunst!
Heil jedem Munde, der dich feiert,
    Aus dem dein Blütenodem geht;
Wem du dich einmal ganz entschleiert,
    Der ist wahrhaftig ein Poet.

Es zieht die Nacht den heil'gen Bogen,
    Und Liebe wogt ob Land und Meere;
Es trägt auf lauen Zitterwogen
    Die linde Luft dies Lied daher.
Und zürnst du mir in keuschem Sinne,
    O Herrin, wenn es trifft dein Ohr,
So denk': es ist die reinste Minne!
    Und schlafe furchtlos wie zuvor.

Rolands Schwanenlied

König Karl, der hielt ein Mahl mit Schall,
    Im Schlosse zu Paris,
Als auf der Jagd von Roncevall
    Roland sein Leben ließ.

König Karl sprang auf in Angst und Zorn,
    Er horchte lang und tief:
»Mir ist, als hört' ich Rolands Horn,
    Das fern um Hilfe rief.

Mir ist, als hört' ich Olifant,
    Es hallt aus der spanischen Mark,
Es hallt herüber aus Mohrenland
    Gewaltig und zauberstark.

Am Ebro kämpft mein werter Pair,
    Der Ritter von Anglant,
Und wenn er dort erschlagen wär',
    Dann sei mir Gott zur Hand!«

Und tiefe Stille brach herein
    Von wetterschwüler Art,
Es biß Herr Karl in banger Pein
    Den stolzen Silberbart.

Da klang es herüber zum zweitenmal,
    Es klang nicht leis' und lind,
Es schmetterte durch den Königssaal
    Wie rasender Wirbelwind.

Und als zum dritten das Horn erscholl,
    Da borsten Gewölb und Wand,
Da sank der Humpen, Weines voll,
    Dem König aus der Hand.

Und wie der Ruf durch Hall' und Turm
    Zum drittenmal gegellt,
Da hatte des Ritters Atemsturm
    Das silberne Horn zerschellt.

Und wie der Klang nun himmelwärts
    Als Todesröcheln verbraust,
Da hob Herr Karl in tiefem Schmerz
    Die stahlbewehrte Faust:

»Heut ist gefallen ein teurer Held,
    Das sei dem Himmel geklagt!
Ihn haben die Heiden mit List umstellt,
    Mit List zu Tode gejagt.«

Das war Graf Rolands letzter Schrei,
    Er kam aus fernem Süd.
Wohl singt sich nimmer ein Ritter frei
    Solch donnerndes Schwanenlied.

Prolog zu »Neue Gedichte«

Fünf Jahre sind's; ein zwanzigjähr'ger Dichter,
Sang ich hinaus mein jugendlichstes Zürnen;
Es war ein Büchlein, ihr gestrengen Richter,
Wie's keimend schießt aus gährenden Gehirnen.
Ihr kostetet und schnittet wohl Gesichter,
Denn gar zu unreif waren jene Birnen,
Doch schien euch manche süß und keine faulig,
Nur manchem war der »Graf« zu schwer verdaulich.

»Mir ist auf Erden wenig quer gegangen,«
So sang ich damals! kindisches Bezeigen! –
Wenn prahlerisch des Glückes Zinnen prangen,
Dann kommt der Sturm, sie in den Staub zu neigen.
So ward verhöhnt mein loderndes Verlangen,
Gestürmt mein Himmel, der da hing voll Geigen.
Und von der ganzen Saat aus jener Sphäre
Ist dieses Buch die einz'ge volle Ähre.

Doch fürchtet nichts! Es ist kein Buch der Tränen,
Nicht jedes Herz ist gar so leicht zerrissen;
Wenn andre weinen, knirsch ich mit den Zähnen
Und habe so mein schärfstes Weh verbissen.
Was braucht die Welt bei meinem Schmerz zu gähnen?
Was braucht die Welt von jedem Schmerz zu wissen?
Nur Weiber heulen vor gesamtem Volke,
Die heitre Kunst ist keine Tränenwolke!

Ich fasse gern mit einem kühnen Griffe
Ein ernstes Heldenbild vergangner Tage;
Es kennt mein Lied viel perlenreiche Riffe
Um unerschöpften Meeresgrund der Sage;
Ins starke Nordland führt es euch zu Schiffe,
Damit es euch uralte Schlachten schlage;
In eueres Himmels jammervoller Leere,
Da zeigt es euch den Stern gewes'ner Ehre.

Frei blaut auch mir des Geistes kühnste Ferne,
Doch hab' ich nicht verlernt vor Gott zu beten.
Von Frauenliebe sing' ich gar zu gerne,
Drum hab' ich nie mit Füßen sie getreten.
So kann ich nicht wie eure jüngsten Sterne,
Die Zwitter von Roué und vom Propheten,
Den höchsten Gott und dann mein Lieb bewitzeln,
Ich mag euch nicht mit solchem Schmutze kitzeln.

So ist mein Lied. O, daß es euch erbaue,
Mag es vielleicht ein Freundesherz erschüttern,
Mag es zu dir, du allerschönste Fraue,
Als des Verbannten tönend Heimweh zittern! –
Mein Vaterland, dem bald der Himmel blaue,
O lächle mir aus ringenden Gewittern!
Mein Vaterland, das Männerworte richtet,
O richte du: Der Mann hat Deutsch gedichtet! –

Aurea mediocritas

Durch ungebahnte Bergesengen,
    Wo rechts und links der Abgrund gähnt,
Dort hab' ich oft, dahinzusprengen
    Auf wildem Renner, mich gesehnt.
Lawinen donnern, Geier schweben
Fraßgierig über mir im Blauen;
Ich aber will die Sporen geben
Und nicht zurück, nicht seitwärts schauen.

Im stillen Tal, auf weichen Matten,
    Von Lind' und Rose überpflanzt,
Wo unterm breiten Blätterschatten
    Die Schäferin den Reigen tanzt;
Dort, weinberauscht, auf üpp'gen Kissen
Im Arm der Liebe mich zu dehnen,
Auch dahin ging, ihr soll es wissen,
Auch dahin ging mein heißes Sehnen.

Ihr aber geht die Mittelstraße
    Hin zwischen Alpe, Tal und Fluß;
Das Reiten dient auch nicht zum Spaße,
    Drum geht ihr lieber hübsch zu Fuß;
Gemächlich schlendert ihr von hinnen
Und seht nicht vorwärts, noch zurücke,
Und plumpt ihr in die Straßenrinnen,
So nennt ihr's große Mißgeschicke.

Indes ich zaumlos überspringe
    Des Felsenschlundes offnes Maul,
Führt ihr bequem am Nasenringe
    Den hüftenlahmen Karrengaul;
Indes im weichlichsten Genusse
Ich hingegeben schwelgend ruhe,
Macht ihr zu Hause Fidibusse,
Damit der Geist doch etwas tue.

Sollt schwarz und weiß ihr unterscheiden
    Und zwischen beiden wählen schlau,
So sagt ihr: Her mit allen beiden!
    Wir mischen beide in das Grau.
Wenn Leu und Tiger sich bedrängen,
Steht ihr parteilos in der Mitten;
Sollt ihr von zweien einen hängen,
So nehmt ihr ganz gewiß den dritten.

Das ist die Pest des edlen Blutes,
    Der Hemmschuh für das Rad der Zeit,
Das ist der Tod des freien Mutes
    In Rat und Tat, in Fried' und Streit.
Du Mittelweg für Schuft und Memmen,
Du Schlupfloch jeder feigen Blöße,
Wann wird dich endlich niederschwemmen
Der Alpenstrom der Kraft und Größe?

Der Himmel ist blau

Der Himmel ist blau! Den grünen Pokal
    Mit rinnendem Golde befeuchtet!
Wer trinkt nicht gern, wenn der Sonnenstrahl
    In Rheinweinperlen leuchtet! –
Zerschmettre den Römer an der Wand,
    Mit Tränen die Lippen wasche,
Und traure um dein Vaterland
    In Asche, in Asche!

Der Himmel ist blau! Wir sind noch jung,
    Viel Lieder verborgen fluten;
Wer läßt nicht gern die Begeisterung
    In klingender Woge bluten! –
Laß weinen die Harfe unter der Hand
    Ein Grablied, törichter Knabe,
Sie schleppen indes dein Vaterland
    Zu Grabe, zu Grabe!

Der Himmel ist blau! Holdselige Frau,
    Gepriesen sei dein Name!
Wer küßt nicht gerne den Wonnetau
    Vom Auge seiner Dame! –
Aus dem Herzen schneide den süßen Tand,
    Der Minne wende den Rücken,
Sie reißen indes dein Vaterland
    Zu Stücken, zu Stücken!

Der Himmel ist blau! Die Jagd ist laut,
    Ha, fürstliche Freude der Männer!
Wer reitet nicht gerne durchs Heidekraut
    Den lang sich streckenden Renner! –
Laß fallen die Zügel aus der Hand,
    Von der Ferse schlage die Sporen,
Es geht indessen dein Vaterland
    Verloren, verloren! –

Der Himmel ist blau! Er fällt nicht ein
    Vom Sturme irdischer Schmerzen,
Es hungert das Volk, und die Bösen schrein
    Den Aufruhr ihm in die Herzen! –
Da ist kein Glaubens-, kein Liebesband,
    Sie reißen's mit frechen Händen;
Wie soll, o Herr, mit dem Vaterland
    Das enden, das enden?