Moritz

1285

Die Großfamilie Strachwitz war urkundlich seit 1285 in Schlesien ansässig.

Moritz Karl Wilhelm Anton Graf von Strachwitz

Moritz Karl Wilhelm Graf Strachwitz, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Moritz Karl Wilhelm Graf von Strachwitz (* 13. März 1822 in Peterwitz bei Frankenstein, Schlesien; † 11. Dezember 1847 in Wien) war ein bekannter Balladendichter, der im Tunnel über der Spree ein Vorbild für Theodor Fontanes Balladendichtungen war.

 

 

Leben

Er entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, studierte Jura in Breslau und Berlin. Seit 1845 war er Mitglied des Corps Silesia Breslau. Nach dem Studium leistete er sein Referendariat beim Kreisgericht Grottkau ab. Danach ging er auf Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark. Daraufhin kehrte er zunächst auf sein Gut Peterwitz zurück, siedelte dann aber auf sein mährisches Gut Schebetau über. Auf einer Italienreise erkrankte er in Venedig und starb kurz vor seiner Rückkehr in Wien.
Viele seiner Gedichte wurden vertont, unter anderem von Robert Schumann, Carl Loewe und Johannes Brahms. Besonders bekannt waren unter anderem „Das Lied vom falschen Grafen“ und „Hie Welf!“.
Von seinem Zeitgenossen Ludwig Fränkel wurde er in der „Allgemeinen deutschen Biographie“ wie folgt charakterisiert: „In dem aufreibenden Leben der Großstädte hatte sich seiner eine gewisse Unruhe bemächtigt, […] nie wieder kam er zur rechten Ruhe, zur Freude am Leben, zur Befriedigung mit seinem Schaffen und sich selbst, zur Erkenntnis seines Berufes“ und „Er war eine kühne, in den demoralisierenden Wandelgängen der großen Welt naiv gebliebene Natur.“
Sein bekanntestes Gedicht ist „Das Herz von Douglas“, aus dem noch gelegentlich zitiert wird:

Sie ritten vierzig Meilen fast
und sprachen Worte nicht vier

und:

kurz ist die schottische Geduld
und lang ein schottisch Schwert!

 

Werke

  • Lieder eines Erwachenden, 1842
  • Neue Gedichte, 1848 (Gedichte aus dem Nachlass) (GBS)
  • Gedichte, Breslau 1850 (Gesamtausgabe)

 

Literatur

  • Ludwig Julius Fränkel: Strachwitz, Moritz Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 480–483.
  • Gertrud Fischer: Der Verfall des Gehalts der heldischen Ballade von Strachwitz und Fontane bis zu den Epigonen (1840–1880). München 1956 (München, Univ., Diss. phil.).
  • Hanns Gottschalk: Strachwitz und die Entwicklung der heldischen Ballade. Triltsch, Würzburg 1940 (Zugleich: Breslau, Univ., Diss. phil., 1940).
  • Alwin Kurt Theodor Tielo (d. i.: Kurt Mickoleit): Die Dichtung des Grafen Moritz von Strachwitz. Duncker, Berlin 1902 (Forschungen zur neueren Litteraturgeschichte 20), (Auch reprographischer Druck: Gerstenberg, Hildesheim 1977, ISBN 3-8067-0610-7).
 
 
 

Feierlicher Protest

Ihr schwatzt mir viel von Lebenszwecken,
    Von Lebensziel und Ruhetag,
Und quält euch mühsam auszuhecken,
    Was wohl aus mir noch werden mag.

Des stillen Glückes Seligkeiten
    Erzählt ihr alle groß und breit,
Ihr sucht mich in den Pfad zu leiten
    Philisterhafter Häuslichkeit.

Da soll ich von den Lenzgewittern
    Der frischen Jugend endlich ruhn,
Ein Weib mir nehmen, Kinder füttern
    Und still und fromm und häuslich tun.

Da soll ich Flachs und Wolle schlichten
    Und Graben zählen nach dem Schick,
Soll Gänse mästen, Hengste züchten
    Und Ochs und Schaf und Ziegenbock.

Indes die Sinne wild und waglich
    Zum Ungewöhnlichen mich ziehn,
Soll ich im Schlafrock träg, behaglich
    Beim Kaffee sehn mein Pfeifchen glühn.

Ich aber sag' euch: eher fesseln
    Könnt ihr im Sturz den Wasserfall,
Eh ihr's vermögt, mich einzukesseln
    In euren engen Gänsestall.

Ich aber sag' euch: eher wandeln
    Könnt ihr zur Gans den Falken um,
Eh ihr's vermögt, mir einzuhandeln
    Eu'r häusliches Elysium.

Ich mag einmal darauf nicht eingehn,
    Auf euren schalten Alltagsspaß,
Will kecklich durch die Welt allein gehn
    Mit meiner Lieb' und meinem Haß.

So hört denn auf mir vorzuleiern,
    Daß einst der freud'ge Drang vergeht,
Der Drang nach Tat und Abenteuern,
    Der wild durch meine Pulse weht.

Und müßt' er endlich doch erschlaffen,
    So sprecht davon mir heut noch nicht,
Indes im trotzigen Erraffen
    Ein jeder Herzschlag anders spricht.

Indes ums Haupt sich, Kraft verkündend,
    Die braune Jugendlocke schmiegt,
Indes das Aug' noch hell und zündend,
    Der Geist noch frisch und unbesiegt.

Indes die Faust noch stahleskräftig
    Sich preßt an Feder oder Schwert,
Indes das Blut noch wild geschäftig
    Vom Herzen nach der Zunge fährt.

Sprecht mir davon, wenn matt und schwächlich
    Mir Herz und Hand und Zunge ward;
Dann will ich leben fein gemächlich
    Nach eurer saubern Lebensart.

Laßt vor der Hand mich ungeschoren,
    Philister bleibt vom Kopf zum Fuß,
Und weil ich nicht dazu geboren,
    So will ich's sein erst, wenn ich muß.

In das Weite

Gebt mir einen Stab von festem Holz,
    Daß ich dran durch die Länder schreite;
Gebt mit einen Segler mastenstolz,
    Daß ich drauf durch die Wellen reite.

Gebt mir das Roß aus dem Märchenland,
    Daß ich drauf um die Erde jage;
Gebt mir des Adlers Federgewand,
    Daß es mich in den Himmel trage.

Und ob ich nun segle durchs Wellengebraus,
    Ob ich fliege, wandele, reite:
Nur laßt mich hinaus, nur laßt mich hinaus
    Aus dem Engen hinaus in das Weite!

Die Erde, sie ist so lang und breit,
    Das Meer ist noch viel breiter,
Der Himmel, er ist so hoch und weit
    Und rückt mir täglich weiter.

Was frommt mir die Erde, was frommt mir das Meer,
    Wenn ich drinnen nicht darf mich ergehen?
Was frommt mir des Himmels Sternenheer,
    Wenn ich's darf nicht näher besehen?

Drum ob ich nun segle durchs Wellengebraus,
    Ob ich fliege, wandele, reite:
Nur laßt mich hinaus, nur laßt mich hinaus
    Aus dem Engen hinaus in das Weite!

Sei still!

Bringt Wein mir her, rotleuchtenden Wein,
    Stimmt an die weichste Musik!
Mein träges Herze will trunken sein,
    Denn es denkt nicht gerne zurück,
Nicht gerne zurück an den besseren Tag,
An das frischere Blut, an den volleren Schlag,
    Nicht gerne zurück, nein, nein!
            Bringt Wein!

Mein schönes Lieb, schneebusiger Schwan,
    O küsse mich stets aufs neu,
Daß ich alles, was du mir angetan,
    Vergesse und selig sei,
Vergesse, daß ich einmal war jung,
Voller Tat und frischer Begeisterung;
    Gibt lodernde Küsse, mein Lieb!
            O gib!

Auf Blumen und Seide laßt mich ruhn!
    Bringt Wein und Musik stimmt an!
Ich bin ein weichlicher Knabe nun
    Und war schon einmal ein Mann.
So küsse doch heißer, du schöne Frau,
So rinne doch schneller, du Purpurtau,
    Und du mahnendes Hirn, das reden will,
            Sei still!

Heinrich der Finkler

Du Vaterlandserretter, Städtegründer,
Groß im Gewinnen, größer im Bewahren,
Sei mir gesegnet, Heidenüberwinder!

Matt zuckte unterm Säbel der Barbaren
Das Reich, und stampfend über deutsche Saaten
Hinging das Roß des Wenden und Magyaren.

Von seinen Fürsten ward das Land verraten;
Die würgten sich und riefen sich zum Bunde
Den grimmen Heiden her zu grimmen Taten.

Durch Österreich, da ritt in böser Stunde
Die maulwurfsäugige Centaurenhorde,
Das Volk des Attila, die Brut der Hunde.

Als wie die Sündflut über alle Borde
Hinschwoll der Greuel durch das Land der Väter,
Das röchelte im ungeheuren Morde.

Von Blut und Flammen widerschien der Äther,
Nicht einer kam, kein Retter und kein Ringer,
Denn selbst der Priester wurde zum Verräter.

Und alle Jahre kamen die Bezwinger,
Und jährlich ärmer ward und jährlich schwächer
Das große Reich der kleinen Karolinger. –

Und übersatt vom bittren Schmerzensbecher,
Auf seinem Todbett lag Konrad der Franke,
Der sprach: »Ich will euch küren einen Rächer.

Ich stritt mit ihm der Krone hier zu Danke;
Nun nehmt sie hin, es trage sie derselbe,
Er wird sie halten, ob im Sturm sie schwanke.

Und dieser Krone leuchtendes Gewölbe,
Er läßt es flammen weit in aller Fährde; –
Es ist der Herzog von dem Land der Elbe.« –

In heil'ger Morgenluft, am Vogelherde,
Da drückten sie den Reif ihm in die Locken,
Auf hohem Berg vor aller deutscher Erde.

Und alle Lande staunten froh erschrocken,
Denn allwärts warf die Krone ihre Strahlen
Und rings von selber rührten sich die Glocken.

Sie schien allmächtig zu den tiefsten Talen
Und ließ die Wasser in Demanten zittern,
Die Wälder sich mit grünem Gold bemalen.

Es tät der Aar die junge Sonne wittern,
Der deutsche Aar, der lag in Schmach und Frone,
Da scholl sein Flügelschlag gleich Lenzgewittern.

Und zu dem neuen Licht der Kaiserkrone
Stieg er empor, das sieghaft und allmächtig
Hinstrahlte von des Bergs grünsamtnem Throne.

Es stand der erste Heinrich ernst bedächtig,
Ein Münster, dem der Sonnengott beim Tagen
Sein Diadem aufs Haupt setzt flammenprächtig.

Er tät die Krone auf dem Scheitel tragen,
Als könnt' er nun und nimmer sie verlieren,
Hochhäuptig, allgewaltig tät er ragen.

Und wie zu dreimal heil'gen Racheschwüren
Streckt' er die Hand empor zum Wolkenmeere,
Als spräch' er zu den schweigenden Revieren:

»Ich will ein Rächer sein der deutschen Ehre!«

Ein Faustschlag

König Helge war ein alter Held,
Der hatte sein Schwert zur Ruhe gestellt.

Den Panzer er in die Halle hing,
Der Spinne Geweb den Helm umfing.

Sein schwarzes Schiff die Bucht umschloß,
Auf der Weide trabte sein weißes Roß.

Er waltete gut und herrschte gerecht,
Wog strenges Maß für Fürst und Knecht.

Das frommte Landen und Leuten baß,
Auf Norwegs Felsen wuchs Korn und Gras.

Den Pflug hinschleppte des Stieres Mut,
Der Kaufmann pflügte die blaue Flut.

Aufstiegen Städte aus wüstem Moor,
Und Freya herrschte für Aukathor.

Der Bauer, der lebte frei und froh,
Das wollten die trotzigen Jarls nicht so.

Sie ritten zu Hauf, wohl dreißig und mehr,
In des Königs Halle: da traten sie her;

Da traten sie her in Erz und Stahl,
Vom Sporenklange dröhnte der Saal.

Jarl Irold vor den König schritt,
Hoch war sein Helmbusch und keck sein Tritt.

Sein Schwert an den Boden er rasselnd stieß,
Sein Wort er zornig erschallen ließ:

»Wir wollen nicht sitzen und Spindeln drehn,
Mit dem Normannenschwert nicht Hafer mähn.

Wir wollen furchen, wie Harald tat,
Mit dem schwarzen Segler den feuchten Pfad.

Wir wollen tragen, wie Rollo trug,
Auf Südlands Acker den Nordlandspflug.

Wir sind des Königs müd und satt,
Der immer das Schwert in der Scheide hat.

Wir sind des Königs satt und müd,
Der Unkraut jätet und Rüben zieht.

Und wer will zähmen des Normanns Blut,
Der halte das Schwert und halt' es gut!«

Jarl Irold sprach's; der König schwieg,
Auf der Stirn ihm grimmig die Ader stieg;

Aus den Augen fuhr's ihm wie Blitz und Flamm',
Die Brust ward voll, die Faust ward stramm.

Aus dem Sessel sprang er, der krachend brach;
Wie dumpfer Donner er also sprach:

»Mein Aug' ist trüb, mein Haupt ist kahl,
Am Nagel rostet mein guter Stahl.

Und tragt nach dem Schwert ihr so heißen Trieb,
So nehmt für heut mit der Faust vorlieb!«

Der König sprach es und macht' es kurz:
Er hieb den Jarl auf den Helmessturz.

Er hieb einen Streich, einen Heldenstreich,
Daß Helm und Schädel zerbarst sogleich.

Einkrachte vom Hiebe Schlaf und Stirn,
Aufspritzte vom Hiebe Blut und Hirn.

Auf den hallenden Boden der Jarl sank hin;
Da brach auch den andern der trotzige Sinn.

Sie warfen aufs Knie sich Mann an Mann,
Wollt' keiner proben die Faust fortan.

Die Rose im Meer

Es schwamm im Meer, im rauschenden Meer,
Eine sturmgebrochne Rose her,
    Eine Rose, voll und licht;
Sie schwamm auf schaukelnder Wogenbahn
    Hinab, hinan,
Rings um sie rauschte der Ozean,
    Und er verschlang sie nicht.

Wie ein rosig Weib, das traumbesiegt
Auf grüner, schwellender Matte liegt,
    So lag sie auf grüner Flut;
Der blühende Schein, der Farbenduft
    In Meer und Luft
Durchglomm die smaragdene Wassergruft
    Mit reiner Rosenglut.

Die Wellen küßten sich gar nicht satt.
Auf perlenstrahlender Lagerstatt
    Erwachte die Fei der See:
Was leuchtet über dem feuchten Schwall
    Allüberall?
Es flammt wie der glühende Sonnenball
    Und tut dem Auge nicht weh!

Die Muscheln schminkten sich rosenrot,
Die Korallen schämten sich fast zu Tod,
    Verwundert schaute das Meer:
Wo kamest du her, wer magst du sein,
    Du schöner Schein?
Fielst du vom Felsen ins Meer hinein,
    Fielst du vom Himmel her?

Der Welt erkältender Wellentau
Durchschwimmst du allein, du schöne Frau,
    Und machst ihn farbig erglühn.
Wir wissen es nicht, woher du schwammst,
    Woher du flammst,
Ob du von der Erde, vom Himmel stammst,
    Genug, wir sehen dich blühn!

Böses Gewissen

Es brennt dein Kuß, dein Auge blitzt
    Und fest umschließt dein Arm,
Allein auf deiner Stirne sitzt
    Ein alter böser Harm.

Ich liebe dich, wie der Strom das Tal,
    Als wie die Flut den Strand,
Als wie die Elfe den Mondenstrahl,
    Als wie die Glut den Brand.

Ich liebe dich, wie die Welt das Licht,
    Und mehr noch, noch viel mehr.
Sag' an, Geliebter, und zürne nicht,
    Was macht das Herz dir schwer? –

»Dein Aug' ist hell und stolz dein Leib,
    Dein Herz ist warm und groß,
Du bist ein hohes, prächtiges Weib
    Und liebst mich grenzenlos.

Vernimm denn, was gewitterschwer
    Die Stirne mir umspinnt: –
Ich liebte, es ist schon lange her,
    Ein blaugeäugtes Kind.

Ich liebte sie, wie der Strom das Tal,
    Als wie die Flut den Strand,
Als wie die Elfe den Mondenstrahl,
    Als wie die Glut den Brand.

Ich liebte sie, wie die Welt das Licht
    Und mehr noch, viel mehr noch! –
Hör' an, Geliebte, und schaudre nicht:
    Und – treulos ward ich doch!

Das ist's, was mir die Stirne trübt
    Und stört die selige Ruh:
Du liebst mich, wie ich jene geliebt,
    Und treulos wirst auch du!«

Das Elfenroß

Es hatt' eine Dam' einen Renner flink,
    Ein rasches, rotes Roß;
Zum Boden herab die Mähne hing,
    Blitzfunken die Nüster schoß.

Dem Renner, dem war sie treu und hold,
    Mit Silber war er gezäumt,
Beschlagen der Huf mit rotem Gold,
    Mit Perlen der Gurt gesäumt.

Und eh' die Sonne am Himmel schwamm,
    In dem Stalle die Dame war,
Sie kämmte dem Tier mit goldigem Kamm
    Sein goldiges Mähnenhaar.

Und Seide sie flocht und Perlenband
    Mit dem Lilienfinger hinein,
Es trank der Renner aus ihrer Hand
    Den roten Burgunderwein.

Den vollen Arm, den weißen Arm
    Um des Tieres Nacken sie schlug;
Es rann von der Wange die Träne warm
    Auf des Renners glänzenden Bug:

»Mein stolzes Roß, mein treues Roß,
    Dir klag' ich all mein Leid.«
Auf riß das Roß, auf dehnte das Roß
    Die schnaubende Nüster weit.

»Sie wollen mir trauen als Bettgenoß
    Den falschen, verhaßten Mann.«
Da sprengte das Roß, da riß das Roß
    Der goldenen Halfter Bann.

»Mein rotes Roß, mein rasches Roß,
    Heut rette mich oder nie!«
Tief senkte das Roß, tief bog das Roß
    Vor der Herrin das schlanke Knie.

Und sah sie an gar bang und lang,
    Gar traulich und flehentlich.
Die Dame sich auf den Renner schwang,
    Der Renner von hinnen strich.

Die Schwalbe, die unten im Sturme glitt,
    Sie holt' ihn nimmer ein,
Der Sturm, der oben auf Wolken ritt,
    Keucht' ächzend hinterdrein.

Es steht ein Schloß im Elfenwald,
    Ein diamantenes Schloß,
Da stockt' es im Laufe, da macht' es Halt,
    Da stand es, das schnelle Roß.

Und als sie ihm dankend den Hals umfing,
    Es koste mit Mund und Hand,
Statt des Renners der Dame im Arme hing
    Der König von Elfenland:

»Du schöne Frau, du minnige Frau,
    Nun sollst du mein eigen sein,
Das Elfenschloß und der Elfengau
    Ist alles, alles dein!

Und wie du vordem in Hof und Stall
    Kredenzt mir den roten Wein,
So kredenze fortan mir in Schloß und Hall'
    Die roten Lippen dein.«

An die Zarten

    Werde ruhig, werde friedlich,
Laß den Schlachtgesang vertosen,
Singe niedlich und gemütlich,
Statt mit Blute schreib mit Rosen,
Laß die Schwerter in der Scheide
Und den Helmsturz laß am Nagel,
Laß die Pferde auf der Weide
Und vergiß den Lanzenhagel.
Laß die Hiebe ungerochen
Und die Herzen unerschüttert,
Laß die Schädel unzerbrochen
Und die Raben ungefüttert!

    Was du singst vom Heldentume,
Ist gemacht und ist Manier,
Singe von der Gänseblume,
Die Natur, die lieben wir!
Von dem Kalb, das hingegossen
Unter Blumen wiederkäut,
Aber nicht von wilden Rossen,
Deren Nüster schnaubt nach Streit;
Von Damöt, dem Schäferknechte,
Der auf seiner Syrinx pfeift,
Nicht vom Helden, dessen Rechte
Nach dem Stern der Ehre greift.

    Willst du dich verliebt gebaren,
Nun so liebe nach der Mode,
Lärme nicht von Kampfgefahren
Und von tausendfachem Tode.
Jedes Löckchen, jedes Grübchen
Werde flugs dir zum Gedichte,
Um die Schläfe deinem Liebchen
Winde du Vergißmeinnichte.
Von verschmachtendem Entfernen,
Nicht von trotziger Entführung,
Sing von Blumen, sing von Sternen
Und zerschmilz vor lauter Rührung! –

    Ich bedaure sehr, ihr Guten;
Ein'ge Jährchen müßt ihr harren,
Bis verlöscht die jungen Gluten
Und verkohlt mein toller Sparren.
Singt indessen meinethalben
Eure zarten Leberreimchen,
Vom Gezwitscher junger Schwalben
Und vom Klagelied der Heimchen.
Ja! besingt im Gras die Veilchen
Und am Bach die alten Weiden,
Aber gönnt mir's noch ein Weilchen,
Mich in rauhern Stoff zu kleiden.

    Was ihr stets ins Ohr mir flüstert,
Was ihr scheltet die Manier,
Seht, das ist mit mir verschwistert,
Ist erzeugt, erstarkt in mir.
Gleicht dem frommen Pelikane
Tränkt' ich's mit dem eignen Blut,
Im verwegnen Dichterwahne,
Daß es keine niedre Brut;
Daß dereinst es matt und machtlos
Nicht im Neste werde liegen,
Wenn die andern kühn und achtlos
Durchs Gewölk zur Sonne fliegen.

    Seht, ich laß euch eure Blümchen,
Eure Liebchen und Manierchen,
Euer wohlerworbnes Rühmchen,
Denn ihr seid sonst gute Tierchen.
Laßt auch mich! Ich mag es leiden,
Schlägt der Fink und girrt der Tauber,
Doch aus rost'gen Degenscheiden
Klingt für mich ein eigner Zauber.
Jeder Mann nach seinem Wahne,
Ihn verfechten nenn' ich Tugend.
Jeder Mann nach seiner Fahne,
Meine Fahne sei die Jugend!