Literatur, Kunst und Kultur

1285

Die Großfamilie Strachwitz war urkundlich seit 1285 in Schlesien ansässig.

Literatur, Kunst und Kultur

Maalstromssage

Der Wind wird frisch und frischer,
    Das Boot geht schneebeschwingt,
Der alte Norwegs-Fischer
          Steuert und singt.

Ein dunkles Lied! Die Schären
    Erklingen bei jedem Wort,
Und über den rollenden Meeren
          Zittert es fort:

Es liegt im Meeresgrunde
    Die Schlange Jormungand,
Sie hält die Erdenrunde
          Dreimal umspannt.

Und wo im Wirbeldrange
    Des Maalstroms Strudel schnaubt,
Da liegt der Midgardschlange
          Mähniges Haupt.

Sie liegt auf Menschengebein und
    Ihr Rachen gähnt weit auf,
Sie saugt den Odem ein und
          Stößt ihn hinauf.

Sie atmet wohl im Fluge
    Hinunter die stärkste Flott',
Vor ihrem Atemzuge
          Schütze uns Gott! –

Das Lied erstarb im Säuseln,
    Wir schauten über Bord,
Im Wasser ging ein Kräuseln
          Leise nach Nord.

Es kam ich dumpfes Brüllen
    Aus Norden schwer heran,
Wir aber lenkten im stillen
          Südwärts den Kahn.

Meeresabend

Sie hat den ganzen Tag getobt
    Als wie in Zorn und Pein,
Nun bettet sich, nun glättet sich
    Die See und schlummert ein.

Und drüber zittert der Abendwind,
    Ein mildes heiliges Wehn,
Das ist der Atem Gottes,
    Der schwebet ob den Seen.

Es küßt der Herr aufs Lockenhaupt
    Die schlummernde See gelind
Und spricht mit säuselndem Segen:
    Schlaf ruhig, wildes Kind!

Gebet auf den Wassern

Die Nacht ist hehr und heiter,
    Das Land ist weit, wie weit!
Es ruht das Meer in breiter
    Smaragdener Herrlichkeit.

Mir ist zu Mut, als schliefe
    Der Woge Grimm und Macht,
Und schwebte über der Tiefe
    Der Herr durch die heilige Nacht.

Mir ist, als müßt' ich zur Stunde
    Hinsinken tief und jäh
Zum grünsten Meeresgrunde,
    O Herr, vor deiner Näh'!

Mir ist, als müßte hoch über
    Mir ruhn die feuchte Gruft,
Und dieses Lied darüber
    Wehen als Morgenluft.

Bei Platens Tod

Du bist der Dichtkunst tapfrer Bogenschwinger,
Der rastlos seine goldnen Pfeile sendet,
Der endlich trotzig sich verblutend endet
Als der Philister göttlicher Bezwinger.

Nun schlummre sanft, du kampfesmüder Ringer,
Dem Nord und Süden Ruhm und Preis gespendet;
Es sei dein Haupt der Heimat zugewendet,
Du melodieenvoller Rhythmenschlinger!

Und ob die Vatererde du gemieden
Im Übermaße deiner Zorngedanken,
Reicht sie die Rechte doch ins Grab zum Frieden.

Und dahin, wo ums Grab sich Lorbeern ranken,
Sei auch der deutsche Eichenkranz beschieden,
Und dein verbleib' er ewig ohne Wanken!

Der Sturm ist los

Der Sturm ist los, der Schiffer muß verzagen,
De kühne Mast bis auf die Flut gebogen,
Indessen die erbarmungslosen Wogen
Das tapfre Fahrzeug an die Riffe schlagen.

Vorbei das Wollen und umsonst das Wagen,
Der Wunsch begraben, das Gebet betrogen!
Der Wirbel kreist, das Schiff ist eingesogen,
Und drüber in die schnellen Möwen jagen. –

So sank mein Leben im Gewoge nieder,
Und überm Schaum mit schrillendem Geklage
Als weiße Möwen schießen meine Lieder.

Der Abgrund schweigt, die Welle murmelt trübe
Und leise singt die Fei zum Wogenschlage:
»Da drunten schlummert eine große Liebe!«

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Moritz Karl Wilhelm Graf Strachwitz, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Moritz Karl Wilhelm Graf von Strachwitz (* 13. März 1822 in Peterwitz bei Frankenstein, Schlesien; † 11. Dezember 1847 in Wien) war ein bekannter Balladendichter, der im Tunnel über der Spree ein Vorbild für Theodor Fontanes Balladendichtungen war.

 

 

Leben

Er entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, studierte Jura in Breslau und Berlin. Seit 1845 war er Mitglied des Corps Silesia Breslau. Nach dem Studium leistete er sein Referendariat beim Kreisgericht Grottkau ab. Danach ging er auf Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark. Daraufhin kehrte er zunächst auf sein Gut Peterwitz zurück, siedelte dann aber auf sein mährisches Gut Schebetau über. Auf einer Italienreise erkrankte er in Venedig und starb kurz vor seiner Rückkehr in Wien.
Viele seiner Gedichte wurden vertont, unter anderem von Robert Schumann, Carl Loewe und Johannes Brahms. Besonders bekannt waren unter anderem „Das Lied vom falschen Grafen“ und „Hie Welf!“.
Von seinem Zeitgenossen Ludwig Fränkel wurde er in der „Allgemeinen deutschen Biographie“ wie folgt charakterisiert: „In dem aufreibenden Leben der Großstädte hatte sich seiner eine gewisse Unruhe bemächtigt, […] nie wieder kam er zur rechten Ruhe, zur Freude am Leben, zur Befriedigung mit seinem Schaffen und sich selbst, zur Erkenntnis seines Berufes“ und „Er war eine kühne, in den demoralisierenden Wandelgängen der großen Welt naiv gebliebene Natur.“
Sein bekanntestes Gedicht ist „Das Herz von Douglas“, aus dem noch gelegentlich zitiert wird:

Sie ritten vierzig Meilen fast
und sprachen Worte nicht vier

und:

kurz ist die schottische Geduld
und lang ein schottisch Schwert!

 

Werke

  • Lieder eines Erwachenden, 1842
  • Neue Gedichte, 1848 (Gedichte aus dem Nachlass) (GBS)
  • Gedichte, Breslau 1850 (Gesamtausgabe)

 

Literatur

  • Ludwig Julius Fränkel: Strachwitz, Moritz Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 480–483.
  • Gertrud Fischer: Der Verfall des Gehalts der heldischen Ballade von Strachwitz und Fontane bis zu den Epigonen (1840–1880). München 1956 (München, Univ., Diss. phil.).
  • Hanns Gottschalk: Strachwitz und die Entwicklung der heldischen Ballade. Triltsch, Würzburg 1940 (Zugleich: Breslau, Univ., Diss. phil., 1940).
  • Alwin Kurt Theodor Tielo (d. i.: Kurt Mickoleit): Die Dichtung des Grafen Moritz von Strachwitz. Duncker, Berlin 1902 (Forschungen zur neueren Litteraturgeschichte 20), (Auch reprographischer Druck: Gerstenberg, Hildesheim 1977, ISBN 3-8067-0610-7).