Literatur, Kunst und Kultur

Verbandsgründung

Der Familienverband der Grafen und Freiherren von Strachwitz wurde in Breslau am 11.2.1903 gegründet.

Literatur, Kunst und Kultur

So muß ich denn gehen

So muß ich denn gehen dahin, dahin!
Und hab dir nicht gesagt, geklagt,
Wie ich mählich dein eigen geworden bin,
Bis das Herz mir in zehrender Liebe verzagt.

So muß ich denn gehen hindan, hindan!
Und habe nicht einmal gebaut auf mich
Und habe nicht einmal gefreit als Mann
Um die Königskrone, um dich, um dich.

So muß ich denn gehen zur Stund, zur Stund!
Und habe nicht einmal vor dir gekniet,
Und es hat nicht einmal dein stolzer Mund
An meiner zitternden Lippe geblüht.

So muß und denn gehen zurück, zurück!
Und die Heide wird braun, und die Sonne sank,
Und das einmal kindisch verträumte Glück,
Das suchst du umsonst dein Leben lang!

An Victoire

Für deine wundervolle Mild' und Güte,
Wie könnt' ich jemals hoffen, dir zu danken?
Ich kann nur beten, daß dich Gott behüte!

Du saßest standhaft bei dem wilden Kranken
Und hörtest an und suchtest zu beschwichten
Des wunden Herzens stürmische Gedanken.

So kennst du denn mein Denken und mein Dichten,
Ich ließ dich schaun bis auf den Grund der Welle,
Du kennst mich ganz; du wirst zu streng nicht richten!

Es rollt mein Blut in mehr als deutscher Schnelle,
Und viel gesündigt hat dies Blut zu Zeiten;
Doch bin ich sonst ein ehrlicher Geselle.

Ich konnte selten nur dies Blut bestreiten,
Geschrieben steht in diesem Buch mit Flammen
Die lange Kunde meiner Trunkenheiten.

Doch du bist gut und wirst mich nicht verdammen.

Reiterlied.

Den letzten Kuß, den letzten Schluck!
ich bleibe dir keines schuldig;
es schmachtet nach dem Schenkeldruck
mein Rößlein ungeduldig.

Der linke Fuß im Bügel wiegt,
der rechte steht im Grase,
die linke Faust im Zügel liegt,
die rechte liegt am Glase.

Er sah das Blut der Trauben an
und stürzt' es wild hinunter,
der Hengst, der hub zu schnauben an,
der Säbel klirrte munter.

Er hob sie empor und herzte die Dirn'
und hob und herzte sie wieder,
es wogt auf des Mädchens weiße Stirn
der weiße Helmbusch nieder.

Und wird man mich bringen, stumm und blaß,
und tät' man mich erschießen,
so sollst du mir ein volles Glas
auf die blutigen Lippen gießen.

Und sollst deinen Mund mit heißem Druck
auf meinen pressen geduldig;
den letzten Kuß, den letzten Schluck!
Dann bleib' ich dir beides schuldig.

Den letzten Kuß, den letzten Schluck!
Wir müssen uns endlich trennen;
der Hengst bekam den Schenkeldruck
und streckte sich aus zum Rennen.

Den Sorglosen

Auf, auf vom üppigen Mahle! Der Wein ist blutig rot,
Es grinst aus jedem Pokale, aus jeder Schüssel der Tod.
Ob eurem Haupte blitzen seh ich am Haar das Schwert;
Ihr bleibt behaglich sitzen, bis es herniederfährt.

Die alte schottische Sitte, ist sie euch nicht bekannt,
Wenn in des Tisches Mitte der blutige Stierkopf stand?
Es stand in roter Lache des schwarzen Büffels Haupt,
Das war der Ruf der Rache, da kam der Tod geschnaubt.

Da sprangen von den Sitzen der Schloßherr und sein Klan,
Das Blut begann zu spritzen, die Rache ward getan;
Sie schnitt die Faust vom Stumpfe, die eben den Becher nahm,
Sie hieb den Kopf vom Rumpfe, eh die Lippe zum Rande kam.

Auf, auf vom vollen Becher, dem Tode sei getrotzt!
Schaut, wie der stumme Rächer, der gräßliche Stierkopf glotzt!
Schon lange hat's gegoren, und wenn ihr euch nicht rührt,
So ist der Kopf verloren, eh der Kelch zur Lippe geführt.

Der gordische Knoten

Ihr rüttelt an dem Königspalast
    Mit unverdrossenem Mute,
Ihr baut ein neues Haus mit Hast
    Und schreit zum Kitt nach Blute.
Doch ist es fertig, das neue Haus,
    Nach manchem saueren Tage,
Der Bonaparte bleibt nicht aus,
    Der's stürzt mit einem Schlage!

Die Arme gekreuzt, gewaltig und stumm,
    So wird er vor euch stehen,
Ihr aber zieht den Buckel krumm
    Und traget eine Livreen.
Und schlachten laßt ihr euch gern und froh
    Mit dienstergebener Miene
Und denket: besser in Waterloo
    Als unter der Guillotine! –

So kommt es, ihr Männer des ewigen Nein,
    So kommt's, ihr Tyrannenvertreiber,
Es wird eine Zeit der Helden sein
    Nach der Zeit der Schreier und Schreiber.
Bis dahin webt mit Fleiß und List
    Eure Schlingen in einander;
Wenn der gordische Knoten fertig ist,
    Schickt Gott den Alexander.

Unterkategorien

Moritz Karl Wilhelm Graf Strachwitz, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Moritz Karl Wilhelm Graf von Strachwitz (* 13. März 1822 in Peterwitz bei Frankenstein, Schlesien; † 11. Dezember 1847 in Wien) war ein bekannter Balladendichter, der im Tunnel über der Spree ein Vorbild für Theodor Fontanes Balladendichtungen war.

 

 

Leben

Er entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, studierte Jura in Breslau und Berlin. Seit 1845 war er Mitglied des Corps Silesia Breslau. Nach dem Studium leistete er sein Referendariat beim Kreisgericht Grottkau ab. Danach ging er auf Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark. Daraufhin kehrte er zunächst auf sein Gut Peterwitz zurück, siedelte dann aber auf sein mährisches Gut Schebetau über. Auf einer Italienreise erkrankte er in Venedig und starb kurz vor seiner Rückkehr in Wien.
Viele seiner Gedichte wurden vertont, unter anderem von Robert Schumann, Carl Loewe und Johannes Brahms. Besonders bekannt waren unter anderem „Das Lied vom falschen Grafen“ und „Hie Welf!“.
Von seinem Zeitgenossen Ludwig Fränkel wurde er in der „Allgemeinen deutschen Biographie“ wie folgt charakterisiert: „In dem aufreibenden Leben der Großstädte hatte sich seiner eine gewisse Unruhe bemächtigt, […] nie wieder kam er zur rechten Ruhe, zur Freude am Leben, zur Befriedigung mit seinem Schaffen und sich selbst, zur Erkenntnis seines Berufes“ und „Er war eine kühne, in den demoralisierenden Wandelgängen der großen Welt naiv gebliebene Natur.“
Sein bekanntestes Gedicht ist „Das Herz von Douglas“, aus dem noch gelegentlich zitiert wird:

Sie ritten vierzig Meilen fast
und sprachen Worte nicht vier

und:

kurz ist die schottische Geduld
und lang ein schottisch Schwert!

 

Werke

  • Lieder eines Erwachenden, 1842
  • Neue Gedichte, 1848 (Gedichte aus dem Nachlass) (GBS)
  • Gedichte, Breslau 1850 (Gesamtausgabe)

 

Literatur

  • Ludwig Julius Fränkel: Strachwitz, Moritz Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 480–483.
  • Gertrud Fischer: Der Verfall des Gehalts der heldischen Ballade von Strachwitz und Fontane bis zu den Epigonen (1840–1880). München 1956 (München, Univ., Diss. phil.).
  • Hanns Gottschalk: Strachwitz und die Entwicklung der heldischen Ballade. Triltsch, Würzburg 1940 (Zugleich: Breslau, Univ., Diss. phil., 1940).
  • Alwin Kurt Theodor Tielo (d. i.: Kurt Mickoleit): Die Dichtung des Grafen Moritz von Strachwitz. Duncker, Berlin 1902 (Forschungen zur neueren Litteraturgeschichte 20), (Auch reprographischer Druck: Gerstenberg, Hildesheim 1977, ISBN 3-8067-0610-7).