Literatur, Kunst und Kultur

100-jähriges Bestehen

Im Jahre 2003 hat der Familienverband der Grafen und Freiherren von Strachwitz sein 100-jähriges Bestehen gefeiert.

Literatur, Kunst und Kultur

Georg Wilhelm Rauchenecker (1844-1906)

G. Rauchenecker ist in München geboren worden, wirkte dann als Kapellmeister und Komponist in Strasbourg, Linz, Winterthur, Berlin und Elberfeld. Letzterer Ort dürfte die Verbindung zu unseren Vorfahren sein, dort dirigierte er das städtische Orchester, leitete den Gesangsverein etc...
Er hat den "Pharao" des Moritz Graf Strachwitz für vierstimmigen gemischten- und auch dreistimmigen Frauenchor vertont. Erschienen sind die Noten beim Verlag L. Schwann in Düsseldorf im Jahre 1897.

Die Noten finden sich unter "Dokumente" in der Galerie!

Im Hafen

Dir, edle Herrin, will ich bringen
    Des treuen Dichters Scheidegruß.
Ich weiß nicht, was ich werde singen,
    Wohl aber, daß ich singen muß.

Des Ankers Kralle weicht vom Grunde
    Und vom Valetschuß kracht die See;
Es ist die allerletzte Stunde,
    Doch nicht das allerletzte Weh.

Der Wimpel weht mit frohem Grüßen
    Verständlich von des Mastes Knauf;
Noch einmal sink' ich dir zu Füßen,
    Noch einmal sah' ich zu dir auf.

Ich hab' es lang genug ertragen,
    Die Stunde fliegt mit Schwalbenflug,
Ich muß dir alles, alles sagen,
    Was ich für dich im Herzen trug.

Ich weiß nicht, ob du mich verstanden,
    Ich weiß nicht, ob du mich erhört,
Ob meiner Lieder wildes Branden
    Dich hat gerührt, dich hat empört.

Ich weiß es nicht, ich welche Fernen
    Mich bald von dir die Woge rollt;
Das aber möcht' ich wissen lernen,
    Ob du mir jemals wohl gewollt,

Ob dich ein einzig Wort erschüttert,
    Ob dich ein einz'ger Blick durchdrang,
Ob dich von mir ein Traum umzittert,
    Ob dir ein Lied zum Herzen klang.

Das Eine, Herrin, laß mich wissen,
    Ob dir mein Werben nicht verhaßt;
Laß mich die grüne Flagge hissen,
    Die Hoffnungsflagge, auf den Mast!

Und wie der Kämpfer, speerdurchstochen,
    Sich in die Fahne hüllt hinein,
So soll, wenn einst dies Herz gebrochen,
    Mein Bahrtuch diese Flagge sein.

Nieder, nieder!

    Nieder, nieder, stolzes Herz!
Wie du auch im Sturme flutest,
Wie du ringst und wie du blutest,
    Dennoch mußt du niederwärts!
Sahst du auch nach langen, kühnen
    Zügen durch das wüste Meer,
Sahst du auch das Ufer grünen,
    Du erreichst es doch nicht mehr!

    Nieder, nieder, stolzes Herz!
Hast du früher lindbefeuert
Auf Morganas Kahn gesteuert,
    Dennoch mußt du niederwärts!
Was dein kühnster Traum erdichtet,
    Es erscheint dir sonnenklar;
Doch – das Traumbild ist vernichtet
    Und die Wahrheit unnahbar!

    Nieder, Nieder, stolzes Herz!
Hast du sonst von Mut gelodert,
Kampf geatmet, Kampf gefodert,
    Dennoch mußt du niederwärts!
Deines Himmels eh'rne Mauern
    Sind zu steil für dein Gelüst,
Und du kannst es nur betrauern,
    Daß du noch nicht Asche bist!

    Nieder, Nieder, stolzes Herz!
Feurig wollen, trotzig ringen,
Untergehn und nie vollbringen,
    Ist der alte, große Schmerz! –
Was das Leben nie verziehen,
    Wird im Tode Wort und Klang.
Blute drum in Melodieen,
    Jeder Tropfen ein Gesang!

    Blute, blute, stolzes Herz!
Aus der Brust geheimsten Seeen
Laß den Strom der Liebe wehen,
    Laß ihn brausen, wundes Herz!
Laß ihn rinnen und verrinnen; –
    Eh' er tot im Meere ruht,
Fällt vielleicht von stolzen Zinnen
    Eine Träne in die Flut!

Keine Sinekure

Mich quält ein sonderbar Verlangen
    Nach Sorg' und Müh', Gefahr und Streit,
Es ist mir stets zu gut gegangen
    In dieser seidnen Friedenszeit.

Es hat kein Schmerz mich überflutet,
    Es hat kein Sturm mein Haupt umtobt,
Es hat mein Herz noch nie geblutet,
    Es hat kein Streit mein Schwert erprobt.

Noch ward kein Joch mir zum Zerbrechen,
    Kein Knoten, um ihn durchzuhaun,
Noch keine Schmach, um sie zu rächen,
    Kein Tod, um ihm ins Aug' zu schaun.

Mir ward kein Banner, es zu schirmen,
    Kein Kranz – dieweil ich nichts getan,
Mir ward kein Gipfel zum Erstürmen
    Und zum Durchrennen keine Bahn.

In der Charybde Strudelwallen,
    Da taucht' ich freudig lange schon;
Doch keiner läßt den Becher fallen
    Und keine Kön'gin ist der Lohn.

Ich wollt', ich hörte Schwerter singen,
    Und hörte, wie ein Schlachtroß schnauft:
Wie woll' ich in den Sattel springen,
    Da, wo die Zeit mit Blute tauft!

In Kugelwetter, Speeresdornen,
    Wo Tod, der Schnitter, hält die Mahd,
Da wollt' ich meinen Renner spornen
    Wie in ein kühlend Rosenbad.

Gebt mir ein Schwert und laßt mich's ziehen
    Und gönnt mir einen einz'gen Schlag,
Und seht ihr mich vom Felde fliehen,
    So sei's mein letzter Lebenstag.

Gebt mir den Feind, daß ich ihn schlage,
    Gebt mir den Tod mit seiner Pein,
Gebt Sieg mir oder Niederlage,
    Nur laßt es bald gestritten sein!

Ein Reiterlied

Ich ritt durch klare Frühlingspracht
    Auf sturmbehendem Pferde,
Da hab' ich bei mir selbst gedacht:
    Wie ist so schön die Erde!

Der Renner sprang, der Renner schwang
    Sich über Gräben und Hecken,
Wohl über den sonnigen Bergeshang
    Und schattige Talesstrecken.

Wie rannen im sausenden Luftgezisch
    Vorüber die blauen Weiten!
Mir ward so froh, so frei und frisch,
    Als wollt' ich gen Himmel reiten.

Fort stob der Erde Pein und Weh',
    Wie unterm Hufe die Kiese,
Auf stieg aus der Brust zur Wolkenhöh'
    Des Gedankens freudiger Riese.

Es klirrte der Bügel, es blitzte der Sporn,
    Ich saß in stolzer Ermannung;
Wie stöhnte des Rosses Feuerzorn
    In kräftiger Schenkelspannung!

Und wie es stürmte hinab, hinauf,
    Gehetzt vom Stachel der Ferse,
Da ward zum Reime ein jedes Geschnauf,
    Ein jeder Hufschlag zum Verse:

Gott grüße dich, tiefes Himmelblau,
    Euch, zuckende Sonnenstrahlen;
Du rauschender Wald, du Wellentau,
    Gott grüß' euch zu tausend Malen!

So hab' ich gejubelt, geschwärmt, gelacht
    Im freudigen Jünglingsmute,
Indes unter mir mit Windesmacht
    Hinjagte die schlanke Stute.

Und als ich daheim beim Abendstrahl
    Abnahm den Sattel dem Pferde,
Da sprach ich im Stillen noch einmal:
    Wie ist so schön die Erde!

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Moritz Karl Wilhelm Graf Strachwitz, Lithographie von Josef Kriehuber, 1841

Moritz Karl Wilhelm Graf von Strachwitz (* 13. März 1822 in Peterwitz bei Frankenstein, Schlesien; † 11. Dezember 1847 in Wien) war ein bekannter Balladendichter, der im Tunnel über der Spree ein Vorbild für Theodor Fontanes Balladendichtungen war.

 

 

Leben

Er entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, studierte Jura in Breslau und Berlin. Seit 1845 war er Mitglied des Corps Silesia Breslau. Nach dem Studium leistete er sein Referendariat beim Kreisgericht Grottkau ab. Danach ging er auf Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark. Daraufhin kehrte er zunächst auf sein Gut Peterwitz zurück, siedelte dann aber auf sein mährisches Gut Schebetau über. Auf einer Italienreise erkrankte er in Venedig und starb kurz vor seiner Rückkehr in Wien.
Viele seiner Gedichte wurden vertont, unter anderem von Robert Schumann, Carl Loewe und Johannes Brahms. Besonders bekannt waren unter anderem „Das Lied vom falschen Grafen“ und „Hie Welf!“.
Von seinem Zeitgenossen Ludwig Fränkel wurde er in der „Allgemeinen deutschen Biographie“ wie folgt charakterisiert: „In dem aufreibenden Leben der Großstädte hatte sich seiner eine gewisse Unruhe bemächtigt, […] nie wieder kam er zur rechten Ruhe, zur Freude am Leben, zur Befriedigung mit seinem Schaffen und sich selbst, zur Erkenntnis seines Berufes“ und „Er war eine kühne, in den demoralisierenden Wandelgängen der großen Welt naiv gebliebene Natur.“
Sein bekanntestes Gedicht ist „Das Herz von Douglas“, aus dem noch gelegentlich zitiert wird:

Sie ritten vierzig Meilen fast
und sprachen Worte nicht vier

und:

kurz ist die schottische Geduld
und lang ein schottisch Schwert!

 

Werke

  • Lieder eines Erwachenden, 1842
  • Neue Gedichte, 1848 (Gedichte aus dem Nachlass) (GBS)
  • Gedichte, Breslau 1850 (Gesamtausgabe)

 

Literatur

  • Ludwig Julius Fränkel: Strachwitz, Moritz Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 480–483.
  • Gertrud Fischer: Der Verfall des Gehalts der heldischen Ballade von Strachwitz und Fontane bis zu den Epigonen (1840–1880). München 1956 (München, Univ., Diss. phil.).
  • Hanns Gottschalk: Strachwitz und die Entwicklung der heldischen Ballade. Triltsch, Würzburg 1940 (Zugleich: Breslau, Univ., Diss. phil., 1940).
  • Alwin Kurt Theodor Tielo (d. i.: Kurt Mickoleit): Die Dichtung des Grafen Moritz von Strachwitz. Duncker, Berlin 1902 (Forschungen zur neueren Litteraturgeschichte 20), (Auch reprographischer Druck: Gerstenberg, Hildesheim 1977, ISBN 3-8067-0610-7).