Prolog zu »Lieder eines Erwachenden«
Ha! Nordlandsluft und Nordlandswind! O Lust verwehter Tage! Wie hab' ich dich einst so heiß geminnt, Vollbusige Nordlandssage! Du rittest mit mir auf Odins Tier, Acht Hufe hatte der Renner. Du saßest in Walhall neben mir Und schenktest den Met der Männer.
Ich hört' als Fei mit dem Wasserfall Dich tote Helden bejammern, Und sah dich als Alf in des Berges Hall' An glühendem Golde hammern. Du fuhrest mit mir über'n Maalstrom, Es dampften des Strudels Mäuler, Du webtest in Trondhjems schwarzem Dom Als Dämmerung um die Pfeiler.
Ich sah dich über die schlafende See Als Schwanenjungfrau schwimmen, Und sah dich über den Gletscherschnee Als Nordlicht zackig glimmen. Ich sah dich über die Heide der Schlacht Als Adler schweigend schweben, Und sah dich in dem Auge der Nacht Als Witwenträne beben.
Du botest mir deine Wange rot, Du schlanke, hohe, frische, Und brachest mir dann das Haferbrot An des Normanns rauhem Tische. Ich sah dich den Busen der Nordlandsdirn Als Freias Schmuck umkreisen, Du klangest um jede Normannsstirn Als Helm aus Wielands Eisen.
Ich sende dir diesen Kuß nach Nord, Er brennt wie Islands Feuer, Aufjauchzend springt dies Lied an Bord Und wendet zu dir sein Steuer. Mag sich's mir dir auf Nordlands Riff Als klagende Tanne wiegen Und mag's mit dir als Geisterschiff Durch Nordlands Meere fliegen!
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