Liebeslieder1
Du wunderschöne Schlanke, Dir biet' ich all mein Herz, Dies stolze, liebeskranke, Glutschmachtende Dichterherz.
Wohl möcht' ich es gern umschlingen Mit Blumen aus Ost und Süd, Zu deinem Preise singen Ein hohes, hehres Lied.
Ein Lied, das unermeßlich Von Klang zu Klange schwebt, Ein Lied, das unvergeßlich Von Lippe zu Lippe bebt.
Ein Lied, drin Nebeldüster Mit Himmelsbläue sich eint, Ein Lied, drin Blumengeflüster Ins Waldesgebrause weint.
Drein möcht' ich verweben, verzweigen Den ganzen tönenden Drang, Verstummen darauf und schweigen All, all mein Leben lang.
Doch wenn ich zum stolzen Vermessen Mich stolz zusammengerafft, Entgaukelt mir unterdessen Die ganze Gesangeskraft.
Es ist ein einz'ger Gedanke, Der stiehlt mir Lied und Herz: Du wunderschöne Schlanke, Dir biet' ich all mein Herz. 2
Ich habe nie das Knie gebogen, Den starren Nacken nie gebeugt, Mit Stolze ward ich aufgezogen, Mit Freiheit ward ich aufgesäugt.
Doch allem Stolz im Sein und Handeln Entsagt' ich und der Freiheit mit, Könnt' ich mich in den Staub verwandeln, Den deines Schuhes Sohle tritt. 3
Wenn auf zu den Wolken ich schaue Ins feucht umwölkte Blau, Dann denk ich an deine Augen, Du wunderschöne Frau! Und wenn die weinenden Wolken Hinstäuben den Morgentau, Dann denk ich an deine Tränen, Du wunderschöne Frau!
Und schau ich zwei Wolken innig Zusammenrinnen im Grau, Dann denk ich an unsre Liebe, Du wunderschöne Frau! Und tobt in der Wolken Busen Der Grimm der Orkane rauh, Dann denk' ich an unsre Schmerzen, Du wunderschöne Frau!
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