Gepanzerte Sonette1Bist, Mann, geformt du aus so weichen Massen, Daß dir die Schwertwucht lähmt die Weiberarme? Kannst du nicht stehn im dichten Waffenschwarme, Wenn Gott des Kampfes Wetter losgelassen?
Ha! nimmer soll dein Angesicht erblassen, Gibt Worte kühn des freien Herzens Harme, Den Worten Schwertesstreiche, zorneswarme, Wenn Schmach und Unrecht krallend dich umfassen.
Denn nicht allein auf blut'gem Schlachtenfelde Ziemt's kühn zu wallen durch des Streites Nächte, Nein, auch die Harfe mag zum Schwerte werden;
Denn daß den Klang des Heldenschwerts er melde, Im edlen Streit mit Waffenliedern fechte – Das ist die Pflicht des Sängers auf der Erden.
2Im Fluggewimmel meiner Traumgedanken, Wenn ich geforscht im Ruhm von alten Tagen, Hab' ich gesehnt mich, Helm und Schwert zu tragen, Ein Ritter frei im Schlachtenwogenschwanken.
Aus dem Geschlecht, dem kraftlos feigen, kranken, Möcht' ich mich heben stolz mit keckem Wagen, Dann möcht' ich hell die Ritterharfe schlagen, Wenn nicht die Fesseln mehr den Geist umranken.
Alltäglichkeit, du Pest der freien Klarheit, Die du erschlaffst die Nerven des Gesanges, Die du erlähmst die Geisteskraft, die hohe,
Dich brechen möcht' ich und zur Sternenwahrheit Aufschwingen mich im Braus des Sphärenklanges, Denn in Gemeinheit stirbt des Helden Lohe.
3Es schläft im Busen, in dem deutschen, treuen, Das Wort der Wahrheit, das noch immer bebte; Was in der Brust in kühner Wahrheit lebte, Das sollst du mutig in die Lüfte streuen.
Und edel, mächtig, mit dem Zorn des Leuen Soll es zerreißen, was die Falschheit webte; Ob Meer und Erde wild dawider strebte, Soll's selbst das Donnerwort der Macht nicht scheuen.
Frei brüllt das Tier sein Zornesheulen grimmig, Der Mann soll reden, wie's der Geist geboten, Nicht flüstern, wenn im edlen Zorn er siedet.
Und ob der Falschheit Zungen tausendstimmig Mit Tod und Ketten mächtig ihn bedrohten, Der Wahrheit ward von Gott kein Band geschmiedet.
4Schämst du dich, Deutscher, deines Vaterlandes, Der mark'gen Heimat alter Heldensiege, Daß du als Stelle deiner Säuglingswiege Den Teil nur nennst des innigen Verbandes?
Sei's auf dem Stein des Ostseeklippenstrandes, Sei's wo du schlürfst des Rheinweins Nektarzüge, Der einz'ge Namen tut dir stolz Genüge Vom Meere bis zum Schnee des Alpenrandes.
Denn von dem Leib von unerreichtem Ruhme Sollst du ein Glied nicht räubrisch einzeln brauchen, Sonst machst du ihn zum Stumpf, zum säftelosen.
Drum blühe fort, du deutsche Heldenblume, Mild angeweht von deutscher Lieder Hauchen, Die schönste von des Länderkranzes Rosen.
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